Gedenkstätten der nationalsozialistischen Massenverbrechen sind wichtige Orte historisch-politischer Bildung. Sie bewahren die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und vermitteln Wissen über die Shoa. Doch diese Orte geraten immer wieder in den Fokus antisemitischer Anfeindungen: Relativierungen und Leugnungen der Shoa, gezielte Zerstörungen von Erinnerungsorten zu jüdischem Leben und zur Geschichte Nationalsozialismus oder auch offene Angriffe auf Besucher*innen und Mitarbeitende. Seit dem 7. Oktober 2023 ist eine deutliche Zunahme antisemitischer Vorfälle zu verzeichnen. Auch die Zahl rechtsextremer Angriffe an Gedenkstätten ist stark gestiegen. Wie können Gedenkstätten und Museen mit diesen Entwicklungen umgehen? Welche Handlungsspielräume gibt es für die Institutionen und einzelnen Mitarbeiter*innen?
Bundesweite Tagung „Historische Verantwortung und gesellschaftliche Relevanz – Die Auseinandersetzung mit Antisemitismus an Gedenkstätten und Erinnerungsorten“
Die bundesweite Fachtagung bringt Akteur*innen aus Gedenkstättenarbeit, Wissenschaft, Bildungsarbeit und Zivilgesellschaft zusammen, um aktuelle Herausforderungen zu analysieren und Perspektiven für den Umgang mit Antisemitismus an Erinnerungsorten zur Geschichte des Nationalsozialismus, aber auch zu jüdischem Leben, zu diskutieren.
In Vorträgen, Workshops und Projektvorstellungen werden antisemitismuskritische Perspektiven sowie aktuelle Entwicklungen antisemitischer Vorfälle und Gewalt an Gedenkstätten und Erinnerungsorten diskutiert. Fokussiert wird insbesondere die Arbeit von NS-Gedenkstätten in NRW, im ländlichen Raum und den jeweiligen spezifischen Herausforderungen, die sich dort im Umgang mit antisemitischen Vorfällen ergeben. Im Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft werden unterschiedliche Ansätze der Analyse, Prävention und Reaktion vorgestellt und gemeinsam weitergedacht.
09.30 Uhr: Begrüßung und Grußworte
10.00 Uhr: Einleitung
Tanja Kinzel, Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus
(Bundesverband RIAS) „…dass wir Verantwortung übernehmen, liegt in der Logik des Ortes“.
Antisemitismuskritische Zugänge zu NS-Gedenkstätten angesichts der Spannungsfelder und Herausforderungen, vor denen die Gedenkstätten stehen, inkl. Vorstellung der Bedarfe und Herausforderungen zu Antisemitismus an Gedenkstätten
10.45 Uhr: Pause
11:00 – 12.30 Uhr: Input-Referate und Gespräch – Antisemitismuskritische Zugänge an Gedenkstätten: Chancen und Hürden am Beispiel aktueller Projekte „Zwischen steilem Erfolg und Momenten tiefer Ernüchterung: das Projekt ReMember“, Dennis Forster, KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.
Strukturen schaffen gegen Antisemitismus in Gedenkstätten am Beispiel der Gedenkstätte Haus der Wannsee Konferenz (GHWK).
Projektvorstellung und erste Ergebnisse, Dr. Linda Giesel, Gedenkstätte Haus der Wannsee Konferenz.
12.30 – 13.30 Uhr: Mittagspause
13.30 – 15.00 Uhr: Podiumsgespräch: Herausforderungen und Ansätze für die Arbeit an Gedenkstätten angesichts des Anstiegs antisemitischer Vorfälle.
Stefan Querl, Geschichtsort Villa Ten Hompel /Antisemitismusbeauftragter der Stadt Münster.
Daniel Vymyslicky, NS-Dokumentationszentrum Köln / Fachstelle gegen Antisemitismus Köln.
Dr. Ulrike Schrader, Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal.
Werner Brall, Arbeitskreis Jüdisches Bethaus Issum.
Moderation: Saskia Klemp, Gedenkstätte Landjuden an der Sieg / Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten und – Erinnerungsorte in NRW e.V.
15.00 – 15.15 Uhr: Pause
15.15 – 16.45 Uhr: Austauschräume für die Handlungspraxis
1. Umgang mit antisemitischen Vorfällen an KZ-Gedenkstätten und Erinnerungsorten – Jörg Rensmann, Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Nordrhein-Westfalen (RIAS NRW)
2. Aktueller Rechtsextremismus als Herausforderung für die Gedenkstättenarbeit zu NS-Unrecht – Hans-Peter Killguss, Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus am NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln
3. Herausforderungen und Qualitätsmerkmale im Umgang mit Antisemitismus in Gedenkstätten (KOAS) – Lea Güse / Alexander Vasmer, Kompetenzzentrum antisemitismuskritische Bildung und Forschung (KOAS)
4. Einblicke in antisemitismuskritische Ansätze in der Ausstellungs- und Vermittlungspraxis – Diskussion anhand von Praxisbeispielen – Franziska Göpner / Duha Binici, Anne Frank Zentrum
5. Israelbezogener Antisemitismus und Schuldabwehr im Kontext der NS-Erinnerung – Micha Neumann, ADIRA- Antidiskriminierungsberatung und Intervention bei Antisemitismus und Rassismus Dortmund
6. Qualitätsmerkmale antisemitismuskritischer Fallberatung in institutionellen Kontexten – OFEK e.V. – Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung in Nordrhein-Westfalen
16.45 Uhr: Tagesabschluss
17.00 Uhr: Ende
Die Fachtagung des Kooperationsverbunds gegen Antisemitismus wird vom Anne Frank Zentrum und dem Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Bundesverband RIAS) durchgeführt in Kooperation mit dem Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW e.V.
Die Tagung findet mit Unterstützung der Beauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur statt.
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